Der Januar – Hochsaison für Selbst-Entleibung

Der Frühling ist noch weit, die guten Vorsätze zum neuen Jahr wiederum schon fern, die Tage noch so kurz, der Himmel oft sehr grau und noch nicht bezahlte Jahresrechnungen türmen sich auf dem Schreib- oder Küchentisch. In den letzten 7 Tage des Januars hat die Tristesse in Deutschland Hochkonjunktur und mit ihr der verübte Suizid.

Nirgend wann sonst entleiben sich mehr Menschen als zu dieser Jahreszeit. Die Verdichtung deprimierend stimmender äußerer Umstände mag zu diesem Ansteigen von Freitoden einen signifikanten Beitrag leisten.

Was aber ebenfalls von Bedeutung ist: Welche Methode wählen diese Menschen um von dieser in die nächste Welt zu gelangen?

Und da es in Deutschland nichts gibt, für dass sich eine statistische Betrachtung nicht lohnt, haben auch hier die Zahlenfetischisten von Statista etwas vorgelegt: Wie bringt sich der Deutsche um?

Die 10 beliebtesten Methoden für den Freitod:

Platz 10: Suizid durch Ertrinken

Diese seinerzeit durch den Bayernkönig Ludwig II. zu großer Popularität gewordenen Methode hat in den letzten Jahrzehnten stark an Bedeutung verloren. Experten führen dies u.a. auf die immer dicker werdenden Deutschen zurück. Die Methode ist schlicht oft erfolglos, da die Aspiranten nicht untergehen. Ihre Fettwulste, Rettungsringen gleich, halten sie hartnäckig an der Oberfläche.

Platz 9: Suizid durch Antiepileptika

Noch vor dem Griff zur Handfeuerwaffe (Platz 11) kommt diese exotisch anmutende Methode. Dass Antiepileptika derart einschneidende Folgen haben können, wissen vermutlich nur ausgemachte Kenner der Szene. So greifen vor allem Apotheker, medizinisches Fachpersonal, Mitarbeiter des Bundesministeriums für Gesundheit sowie Hip-Hop-Künstler zu dieser Methode, welche dem Betroffenen ein zügiges jedoch von heftigen Zuckungen begleitetes Ableben ermöglicht.

Platz 8: Suizid durch sonstige Methoden

Schon auf Platz 8 die sonstigen Methoden. Hier findet sich ein ganzes Konvolut an Suizid-Praktiken, die vor allem den Wunsch des urbanen Hipsters nach ultimativem Selbsttötungs-Individualismus voll befriedigen. Von der Dauerbeschallung von Best-Of-CDs Helene Fischers über das erzwungene Anschauen alter Hans Moser-Filme bis zum Tod durch Langeweile durch Anhören der gesammelter Rilke-Gedichtbände als Hörbuch findet sich hier alles, was Menschen mehr oder weniger grausam in Eigenregie ins Jenseits befördern kann.

Platz 7: Tod durch scharfen Gegenstand

Ein Klassiker! Schon das Antiken-Luder Kleopatra nutzte eine scharfe Klinge um sich durch das fachgerechte Auftrennen der Pulsadern ins Jenseitige zu befördern und der berühmte fernöstliche Harakiri wurde auch in unseren Breiten zur wohlmeinenden Empfehlung, welche man z.B. unbeliebten Politikern zu teil werden lässt. Seither hat diese Methode nichts an Beliebtheit verloren. Ein gezielter Schnitt oder Stich findet auch heute noch – sozial verträglich dazu in allen Gesellschaftsschichten – vielerorts Anwendung.

Platz 6: Suizid durch sonstige Feuerwaffen (Suizid durch Handfeuerwaffen gesondert erst auf Platz 11)

Da die Handfeuerwaffen gesondert aufgeführt werden, wundert sich der interessierte Leser, welche Feuerwaffen noch zum suizidalen Einsatz kommen können. Erinnern wir uns jedoch des Nirvana-Sängers Kurt Cobain, dann ahnt man, dass insbesondere Schrotflinten äußerst angesagt sind bei jenen Landsleuten, die sich ins Jenseits schießen wollen und keinen offenen Sarg wünschen. Vorteil dieser Methode ist klar: Durch den Einsatz großkalibriger Schrotgewehre wird der Kopf in viele kleine blutige Stückchen zerfetzt und der Tod lässt kaum lange auf sich warten. Nachteil: Der nachherige sehr aufwändige Einsatz von Tatortreinigern mindert den eventuell vorhandenen Nachlass für die Erben ganz erheblich.

Platz 5: Suizid durch Gase und Dämpfe

Diese Methode ist schon deswegen so weit vorne im Ranking zu finden, weil viele vermeintliche Suizidopfer in Wahrheit gar keine solchen waren, sondern völlig versehentlich, sozusagen als suizidalem Kollateralschaden, ins Jenseitige befördert wurden. Die durch den Verzehr blähungsfördernder Nahrung austretenden Gase vernichten bei vielen Menschen nicht nur umstehende Zimmerpflanzen und Katzen, sondern auch alle anderen im Raum befindlichen Menschen. Gerne kommt der Einsatz von Darmwinden in Anwendung um z.B. Beihilfe zur Selbsttötung zu leisten. Oder aber, um sich seines überdrüssig gewordenen Lebenspartners zu entledigen. 

Platz 4: Suizid durch Überfahren lassen

Schlagzeilenträchtig und deswegen von unverbesserlichen Egomanen oft bevorzugt: Der Sprung vor Zug oder LKW. Unappetitlich in der Nachbetrachtung aber von höchster Erfolgsgüte im Ergebnis. Und einen News-Artikel, wenigstens im dorfeigenen Käseblatt, ist diese sprichwörtliche Art der Selbstentleibung allemal wert. Unseriöse Redaktionen verzichten auch nicht auf farbiges Bildmaterial zur Steigerung der Auflage. Wie z.B. die der AfD nahestehende Online-Postille www.rotten.com.

Platz 3: Suizid durch Arzneimittel und Drogen und biologisch aktiven Substanzen

Wer ohne großes Getöse und Aufsehen aus dem Leben scheiden will – und dass viele dies wollen, zeigt die Positionierung auf Platz 3 –, der wählt diese stille und bisweilen berauschende Methode und nimmt pharmazeutische Erzeugnisse (auch gerne über Verfalldatum) zu sich oder eine Maxi-Portion Drogen. Man torkelt sich benebelt in die ewigen Jagdgründe und nicht wenigen, die sich für diese Applikation entschlossen haben, wurde vom Leichenbeschauer ein sehr zufriedenes Lächeln auf dem leblosen Antlitz attestiert.

Platz 2: Suizid durch Sturz in die Tiefe

Ebenfalls todsicher. Wie der Sprung vor ein tonnenschweres Gefährt. Und ebenso wenig delikat im Ergebnis. Auch hier kommt bei der anstehenden Bestattung ein offener Sarg aus Rücksicht auf die Angehörigen seltenst in Betracht. Experten empfehlen in jedem Fall eine Mindesthöhe für den finalen Salto Mortale einzuhalten. Zu geringer Höhenunterschied mindert die Erfolgsaussichten erheblich. Stattdessen verbeulen und verbiegen sich so Gescheiterte auf’s Unansehnlichste und sind in der Folge körperlich nicht mehr in der Lage einen erneuten Versuch zu unternehmen.

Platz 1: Suizid durch Erhängen, Strangulieren oder Ersticken

Hätten Sie’s gedacht? Die Nr. 1! Der gute alte Galgenstrick oder andere Hilfsgegenstände, bei denen einem die Luft wegbleibt. Wenn auch der Gesichtsausdruck der so Verblichenen, mit heraushängender Zunge, herausgequollenen Augäpfeln und einer grotesk verzerrten Miene, kein Like mehr auf Facebook erhält (es sei denn, es handelt sich bei diesen Selbstmördern um Dieter Bohlen, Alexander Gauland oder Uli Hoeneß), so spricht die Zahl von rund 4500 Aspiranten, die sich dieser Methode jährlich verschreiben, eine klare Sprache. Diese Methode versammelt so viele Anhänger hinter sich wie alle anderen Selbstmord-Methoden zusammen.

 

Übrigens! Erst auf Platz 17 steht abgeschlagen Selbstmord durch Alkohol. Für mich persönlich ein Geheimtipp mit Potential nach oben. Jedenfalls würde ich mich lieber totsaufen als vor einen ICE springen. Schließlich sei noch Platz 21 erwähnt, „Suizid mit einem stumpfen Gegenstand“. Eine ebenso bizarre wie für mich kaum nachvollziehbare Methode. Wie schlägt man sich so lange mit einem Knüppel auf die Birne bis man das Zeitliche segnet? Vielleicht weiß hier jemand einen Tipp?

Wie auch immer, ich wünsche allen, die zu dieser trüben Jahreszeit nichts Besseres anzufangen wissen, als sich das Lebenslicht auszulöschen, einen wie auch immer gearteten Misserfolg bei ihrem Vorhaben. Ein Leben lang tot sein, ist keine Alternative!

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.