Ohne Alkohol ist jede Freude nur gespielt

Das deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) veröffentlichte unlängst eine Studie, die besagt, dass nur knapp 3% der deutschen Erwachsenen komplett auf Alkohol verzichten. „Nur“ 3%? 3% der Bevölkerung, die sich einer wichtigen Lebensfreude beharrlich verweigern. Mit Menschen, die überhaupt keinen Alkohol trinken, stimmt etwas Grundsätzliches nicht. Ich gehe soweit, zu behaupten, es handelt sich um eine schwere Anomalie, vermutlich verortet im limbischen System, dem ältesten Teil unseres Stammhirns. 

Weiter, verrät die Studie, trinken 70% der Männer mit hohem Sozialstatus regelmäßig Alkohol einmal die Woche aber nur 49% derer am unteren Ende der sozialen Nahrungskette. Was nichts anderes bedeutet: Alkohol macht nicht nur sexy sondern auch erfolgreich. Wiederum: Einmal die Woche ist so gut wie nichts. Um wie viel erfolgreicher wären die Erfolgreichsten der Erfolgreichen, würden sie die wöchentlich verzehrte Menge verdoppeln?

Bald nur noch im Zoo oder als Museumsreliquie zu bewundern: Alkoholkonsumierende Menschen
Gesichert wie Kronjuwelen: Der elterliche Schnapsschrank (hier eine Aufnahme aus dem Jahr 1974)

In der Folge lässt uns die Studie wissen, dass seit mehreren Jahren der Alkoholkonsum unter Jugendlichen beständig sinkt. Nur noch jeder zehnte Jugendliche zwischen zwölf und siebzehn Jahren verzehrt laut der Verfasser regelmäßig Alkohol. Vor 15 Jahren waren es noch doppelt so viele! Ja, wie scheiße ist das denn? Der Nachwuchs bricht weg. Zu meiner Zeit als Heranwachsender war neben dem Telefonschloss, selbstverständlich auch die Hausbar mit einer Schließvorrichtung geschützt. Zu verlockend schien das Angebot aus trockenem Martini, Chantré und Cointreau. Welche man gerne entwendete und mitnahm auf die üblichen Wochenendveranstaltungen. Vergessen scheinen die Zeiten, in denen ich als 10-jähriger bei einem Familienfest im Elternhaus gierig die Reste aus den Gästegläsern schlürfte und mich so in den ersten Rausch meines Lebens hineinpichelte.

Heutzutage mag meine reichhaltig bestückte Kompilation aus unterschiedlichen Branntweinen die Teenager im Haus nicht mehr zu locken. „Bier stinkt“, bekam ich unlängst von der 17-jährigen Tochter meiner Lebensgefährtin zu hören. Mein im Raum anwesender 15-jähriger Sohn pflichtete ihr mit einem kurzen stummen Nicken bei und ergänzte: „Bah, und Schnaps erst!“ Obschon ich mich schon zu Beginn der von mir mühselig angestrengten Diskussion auf verlorenem Posten sah, versuchte ich, mit optimistischer Miene nachzulegen: „Aber Rum-Cola, das ist doch was Feines oder?“

Beide Jugendlichen verließen mit einem gänzlich unverständlichen Blick den Raum…..

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